Verfasst von: Martin Zinkner | September 2, 2009

Warum Volksgruppenschutz?

Schon wieder eine Zeitlang her, dass ich mal was in meinem Blog geschrieben habe…aber der Sommer war lang und sehr stressig…..aber nun genug der Ausreden. Ich werde mich bemühen, dass ich regelmäßig Beiträge schreibe, und werde mich, wie schon einmal angekündigt, hauptsächlich dem Volksgruppenthema widmen.

Warum mein Interesse geweckt wurde, wieder regelmäßig Beiträge zu schreiben hat auch mehrere Gründe:

Zum einem schreibe ich ja wahnsinnig gerne. Warum soll man sich dann nicht auch öfters einem Thema widmen, dass einem am Herzen liegt? Und das Volksgruppenthema ist nun einmal eines, das mir sehr am Herzen liegt und über das die Bevölkerung in Österreich sicherlich zu wenig weiß.

Zum anderem hatte ich vor kurzem ein interessantes Gespräch. Vor kurzem wurde in der Gemeindezeitung meiner Heimatgemeinde darüber berichtet, dass ich mein Studium abgeschlossen habe. Dort stand auch der Titel meiner Diplomarbeit dabei (Analyse des Kärntner Ortstafelkonfliktes). Deshalb kontaktierte mich jemand aus meinem Dorf und wollte über das Thema diskutieren, und auch wenn ich nicht viel Zeit habe, mache ich sowas schon sehr gerne. Diese Person erzählte mir die Geschichte der Familie seiner Frau, die nach dem Weltkrieg aus dem heutigen Slowenien (als deutschsprachige) vertrieben wurden und bis heute dafür kaum Entschädigung bekommen hat und keine Unterstützung für Forderungen vom österreichischen Staat bekommt. Deshalb sind sie auch prinzipiell gegen mehr Rechte für die österreichischen Slowenen.

Insgesamt war es ein sehr langes und auch konstruktives Gespräch, das natürlich auch bei mir viele Fragen aufgeworfen hat. Ganz sicher kann Slowenien nicht als Musterland beim Umgang mit Volksgruppen gesehen werden. Aber soll man daher auch der österreichischen Volksgruppe der Slowenen Rechte verwehren? Sicherlich nicht. Erst wenn Österreich seine Verpflichtungen erfüllt kann es auch in anderen Ländern verstärkt in der Minderheitenfrage auftreten. Ein prinzipielles Problem der Volksgruppenproblematik in Europa ist es nun einmal, dass es reine nationalstaatliche Angelegenheit ist. Hier liegt es an den Ländern, dass sie sich um ihre Volksgruppen kümmern. Eine europäische Volksgruppenpolitik wäre wünschenswert, ist aber illusorisch. So kann man nur an die Nationalstaaten appellieren ihre Volksgruppen zu schützen.

Um noch einmal zum Kern dieses Textes zurückzukommen: Ich glaube nicht, dass die österreichischen Nachbarstaaten eine perfekte Volksgruppenpolitik betreiben. Deshalb ist es aber umso wichtiger, dass Österreich alles macht um seinen Volksgruppen einen Fortbestand und eine Entwicklung zusichern kann.

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Verfasst von: Martin Zinkner | Mai 13, 2009

Wie wird eine Volksgruppe zu einer Volksgruppe?

Wie wird nun eine Volksgruppe zu einer Volksgruppe? Warum sind in Österreich genau jene Volksgruppen anerkannt, die heute als anerkannte Volksgruppen gelten? Das sind Fragen, die gar nicht so leicht zu beantworten sind.
Die Grundlage des österreichischen Volksgruppenschutzes bildet der Artikel 19 des Staatsgrundgesetzes von 1867. Darin wurde den in der österreichischen Reichshälfte lebenden Volksstämmen (heute sinngemäß Volksgruppen) gleiches Recht zugesagt. Damals ein großer Schritt in der europäischen Volksgruppenfrage. Dieser Artikel ist übrigens noch heute in Geltung und hat Verfassungsrang (den in Österreich hat man sich ja bis heute nicht auf einen neuen Grundrechtskatalog einigen können).
Auch der Friedensvertrag von St. Germain hat die Einhaltung der Rechte für die Volksgruppen in Österreich eingefordert. Volksgruppen beim Namen wurden erstmals im Staatsvertrag von 1955 genannt. Nämlich die: Slowenen in Kärnten und der Steiermark sowie die Kroaten im Burgenland.
Eine rechtliche Absicherung bekamen die Volksgruppen jedoch erst mit dem Volksgruppengesetz von 1976. Aber auch darin sind die Volksgruppen nicht genannt. Eine direkte Anerkennung für Volksgruppen ist in Österreich nämlich gar nicht vorgesehen. Eine quasi Anerkennung findet durch die Einrichtung von Volksgruppenbeiräten statt. Das heißt, sobald der politische Wille da ist, für eine in Österreich lebende Volksgruppe einen Volksgruppenbeirat einzurichten ist diese de facto anerkannt.
Am Anfang einigte man sich auf die Volksgruppen der Kroaten, Slowenen, Ungarn, Tschechen und Slowaken. Erst 1993 erfolgte nach langen Diskussionen auch die Anerkennung der Roma und Sinti als eigene Volksgruppe.
Auch heute könnten neue Volksgruppen dazukommen. Damit das überhaupt geschehen kann wird vom „Beheimatungsprinzip“ ausgegangen. Das heißt, wenn eine Volksgruppe eine geschichtliche Verwurzelung in einem gewissen Territorium hat, so kann diese als beheimatet (autochthon) angesehen werden. Die Volksgruppe sollte auch eine gewisse Größe in dem bestimmten Territorium erreichen. Eine Verwurzelung wird nach ungefähr 100 Jahren angenommen.
Einen Automatismus gibt es dafür natürlich nicht. Prinzipiell muss der politische Wille vorhanden sein um einer Volksgruppe spezielle Rechte was den Sprachgebrauch u.ä. anbelangt zuzuerkennen.

Verfasst von: Martin Zinkner | April 6, 2009

Die österreichischen Volksgruppen

Ein Jahr lang habe ich mich für meine Diplomarbeit mit dem Kärntner Ortstafelkonflikt auseinandergesetzt. Um diesen Konflikt überhaupt zu verstehen, muss man auch viel über die Entstehungsgeschichte der österreichischen Republik wissen. Wie wir ja alle wissen, ist die heutige Republik 1919 aus den deutschsprachigen Ländern der k.u.k Monarchie entstanden. Mit der Übernahme der Verwaltung über Deutsch-Westungarn der ungarischen Reichshälfte 1921 entstand Österreich mit den bis heute gültigen Grenzen.

Nach dem ersten Weltkrieg versuchte man die Staaten Europas nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, das vom amerikanischen Präsidenten Wudrow Wilson proklamiert wurde, zu gestalten. Dass dieses Selbstbestimmungsrecht nicht immer verwirklicht wurde, und das auch damals Machtpolitische Interessen berücksichtigt wurden, weiß man heute auch. Hervorzuheben ist auch, dass es in Europa ungefähr 80 Völker, aber nicht einmal 50 Staaten gibt. Ein bekanntes Beispiel für ein „Volk ohne Staat“ sind z.B. die Basken in Spanien und Frankreich. Staatliche Grenzen nach ethnischen Gesichtspunkten zu ziehen ist praktisch unmöglich. An den Grenzgebieten kommt es unweigerlich zu Vermischungen. So konnte auch Österreich nicht alleine aus den rein deutschsprachigen Gebieten gebildet werden. So gibt es auch in Österreich bis heute Volksgruppen, deren Rechte mit dem Friedensvertrag von St. Germain und dem Staatsvertrag von Wien grundlegend gesichert wurden. Seit dem Volksgruppengesetz von 1976 sind 5, und seit 1993 sind 6 Volksgruppen in Österreich offiziell anerkannt. Das Wissen um diese Volksgruppen, sowie deren Rechte, ist in der österreichischen Gesellschaft sehr gering. Viele begegnen diesen mit Ressentiments und Vorurteilen. Vielfach ist die Ansicht vertreten, dass in Österreich ja Deutsch geredet wird, also auch die Volksgruppen sich anpassen sollen und Deutsch reden sollen. Aber im Artikel 8 der österreichischen Bundesverfassung heißt es ja:

Artikel 8. (1) Die deutsche Sprache ist, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten bundesgesetzlich eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.

Da mir durch das Schreiben meiner Diplomarbeit die Volksgruppenthematik sehr wichtig geworden ist, werde ich die Beiträge meines Blogs in der nächsten Zeit rund um dieses Thema aufbauen. Den auch wenn ich viel Zeit und Arbeit in meine Diplomarbeit investiert habe, so wird es mir sicher möglich sein, die Volksgruppenproblematik mit dem Blog viel mehr Menschen zugänglich zu machen.

Verfasst von: Martin Zinkner | März 28, 2009

Politische Bildung in Österreich

„Zum Autofahren braucht man einen Führerschein, aber zur Wahl darf jeder gehen.“

Durch Gespräche mit StudienkollegInnen in den letzten Tagen und Wochen ist mir wieder der Ausspruch meines Geschichtelehrers aus der HTL eingefallen. Dieser war der Ansicht, dass man zum Wählen auch einen Führerschein einführen sollte, wo die Strukturen des politischen Systems Österreichs und die Ziele/Parteiprogramme der zur Wahl stehenden Parteien abgefragt werden. Das ist sicherlich auch nicht der beste Weg um die politische Kultur und das Wissen um den Wert der Demokratie zu steigern, weil diese Idee gleichviel Gefahren birgt, wie wenn alle wählen gehen dürfen.

Aber was tun? Seit Jahren wird gefordert die politische Bildung in den Schulen zu verstärken. Das wäre sicher ein guter Anfang. Eine Studienkollegin von mir hat mir erzählt, dass sie derzeit Vorträge an Hauptschulen (4.Klasse) und Polytechnischen Lehrgängen in Wien über die österreichische Sozialversicherung hält und es für erschreckend hält, welche Fragen hier oft gestellt werden. So wissen beispielsweise viele nicht mal, wenn sie vom „Bund“ spricht, was damit gemeint ist…was läuft hier falsch? Die Lehrpläne gehören meiner Meinung nach schon lange entrümpelt. Man zwingt die Kinder Ereignisse aus dem 12. oder 13. Jahrhundert auswendig zu lernen, aber vermittelt ihnen nicht die Kompetenz sich mit dem politischen System Österreichs und der EU auseinanderzusetzen. So kommt es dann, dass viele in Leserbriefen usw. über etwas schimpfen, dass sie eh nicht begreifen, weil es so Medien und manchen politischen Parteien leicht gemacht wird seichten Populismus zu betreiben. Der gute Politiker ist dann jener, der alles schlecht redet und sich hinstellt um an die Leute Geld auszuteilen. Menschen die nicht einmal die Grundbegriffe des politischen Systems oder der Wirtschaft verstehen hinterfragen nicht einmal, wo das Geld herkommt. Denn wenn das so leicht wäre, warum machen das nicht andere Politiker in anderen Bundesländern auch?

Kant sagte: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

Genau hier sollte auch das Bildungssystem in Österreich ansetzen. Die Kinder sollten nicht gezwungen werden, unter der Anleitung des Lehrers Fakten auswendig für einen Test zu lernen, die sie höchstwahrscheinlich nie wieder brauchen werden. Ihnen sollte beigebracht werden, sich selbstständig Fakten und Möglichkeiten zu erarbeiten um Probleme und Sachverhalte lösen zu können. Dann wäre es vielleicht möglich, dass verkürzte Berichte in Zeitungen unreflektiert hingenommen werden, sondern die Menschen darüber nachdenken würden. Die einzige Frage, die hier zu klären wäre ist: Hat die Politik überhaupt ein Interesse daran?

Filmtipp, weil es irgendwie zum Thema passt: Free Rainer – dein Fernseher lügt.

Verfasst von: Martin Zinkner | November 15, 2008

Was ist eine Autochthone Minderheit?

Im Zuge meiner Diplomarbeit befasse habe ich mich auch umfassend mit dem Begriff der Minderheit befasst. Und es is kaum zu glauben, wieviele Definitionen und unterschiedliche Arten von Minderheit es gibt Gemeint ist damit eine nationale Minderheit/Volksgruppe, die nicht durch Zuwanderung die Staatsbürgerschaft und den Status einer Minderheit erreicht hat, sondern dort gewissermaßen „eingeboren“ oder zumindest schon sehr lange ansässig ist. Wie lange eine Minderheit in einem Land ansässig sein muss, um auch als „autochthone Minderheit“ zu gelten, ist sehr umstritten und wird von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt. Manche Experten sprechen von gut drei Generationen, um einen Minderheitenstatus zu erwerben. So eine Handhabung würde jedoch bedeuten, dass die Nachkommen von Zuwanderungsminderheiten, die vor 30 bis 40 Jahren nach Österreich gekommen sind, eventuell schon sehr bald einen Minderheitenstatus beantragen könnten. Andere Experten oder Regelungen sprechen von 90-100 Jahren. Ob das auch wirklich geschied, ist auch jedem Staat selbst überlassen. Rechtliche Grundlage oder ein Automatismus um als Minderheit anerkannt zu werden, gibt es nicht. Nach der österreichischen Rechtslage kann das in Zukunft sehr willkürlich geschehen. Gängige Staatenpraxis heute ist es, dass Minderheiten dann anerkannt werden, wenn es zu neuen Staatsbildungen und/oder Grenzverschiebungen kommt, aufgrund dessen ein Teil der Bevölkerung zu einer Minderheit im neuen Staat geworden ist.

Verfasst von: Martin Zinkner | November 6, 2008

Was sind eigentlich Windische?

Im Zuge meiner Diplomarbeit befasse ich mich mit dem Kärntner Ortstafelkonflikt. Sehr schwierig ist es, wenn man Begriffe definieren soll. Was macht jemanden zu einem „Deutschkärntner“ oder zu einem „Kärntner Slowenen“? InKärnten gibt es jedoch noch eine dritte Kategorie:  „Windische“. Dieser Begriff wird nämlich von den verschiedenen Seiten mit unterschiedlicher Bedeutung belegt.

 

Laut Veiter, einem Historiker, wurden die „Alpenslawen“ schon im 10. Jahrhundert von den Deutschen als „Windische“ bezeichnet. Woher dieser Begriff stammt ist jedoch bis heute umstritten. Jedoch wird seit langer Zeit das slowenische Volk sowie ihre Sprache als „Windisch“ bezeichnet.

 

Der Ausdruck findet sich in Kärnten auch in vielen Orts- oder Bergnamen wieder wie: Windisch Bleiberg (Slovenji Plajberk) oder die Windische Höhe (Vršje). Der Begriff wurde jedoch von den Slowenen selbst nicht gebraucht, sondern sie bezeichneten sich selbst als: Slovenci, also Slowenen.

 

Bis zum Kärntner Abwehrkampf und die darauf folgende Volksabstimmung in Südkärnten war es auch ein völlig wertneutraler Begriff. Erst nach der Abstimmung kam es zu einer Polarisierung mit dem Begriff Windische in der Gruppe der Kärntner Slowenen. Besonders der Kärntner Historiker Martin Wutte polarisierte mit einem nicht wissenschaftlichen Aufsatz 1927 die Kärntner Bevölkerung, vor allem die Kärntner Slowenen. In diesem Aufsatz versucht er zu beweisen, dass sich Germanen schon vor den Slawen auf heutigem Kärntner Gebiet niedergelassen haben und sich die Slawen schon sehr früh mit den Germanen vermischt haben. Als Beweise dafür führt er unter anderem Ergebnisse der „Rassenforschung“ an. Auch die Einheit der slowenischen Sprache stellt er in Abrede und führt Beweise dafür an, dass das Kärntner Slowenische mit der slowenischen Schriftsprache nicht viel gemeinsam hat. Er kommt schließlich zu dem Schluss, dass es sich bei den so genannten „heimattreuen Slowenen“ nicht um Slowenen im eigentlichen Sinne, sondern um ein „Mischvolk“ handelt, dass dem deutschen viel näher steht als dem slowenischen und deshalb auch nicht Slowenen nennt, sondern die „Ehrenbezeichnung“ Windische gibt: 

 

„…im Gegensatz zu den nationalen Slowenen stehende Mittelschicht, die nach Abstammung und Sprache einen Mischtypus darstellt, aber durch ihre Schicksals-, Lebens-, und Kulturgemeinschaft mit den Deutschen sowie durch ihre gefühlsmäßige Einstellung und ihr folgerichtiges, seit den Anfängen der nationalen Frage in Kärnten ununterbrochen beobachtetes ablehnendes Verhalten gegenüber den slowenischsnationalen Bestrebungen völkisch viel eher zu den Deutschen als zu den Slowenen gehört.“

 

Er sieht also die „Windischen“ als eine Art „Übergangsvolk“ an, die noch nicht ganz „Deutsche“ sind, jedoch auf keinen Fall mehr zu den Slowenen gehören. In der Literatur ist in diesem Zusammenhang öfters vom „schwebenden Volkstum“ die Rede, was jedoch von heutiger wissenschaftlicher Sicht angezweifelt oder überhaupt abgelehnt wird. Heute hat der Begriff Windische im Alltag auch keine sehr große Bedeutung mehr, obwohl er immer noch bei den Volksbefragungen als eigene Kategorie abgefragt wird.  

 

Verfasst von: Martin Zinkner | November 4, 2008

Ralaunch

An die Besucher dieser Seite,

lange ist es her, dass ich einen Blogeintrag geschrieben habe. Hauptsächlich lag das an meiner Diplomarbeit, die viel Zeit und Energie kostet und neben der ich nicht noch andere Schreibarbeiten erledigen wollte. Das soll sich jetzt aber wieder ändern, weil mir das Schreiben für den Blog doch immer viel Spaß gemacht hat. Deswegen werde ich versuchen wieder regelmäßig zu Schreiben. Um das ganze mit meiner Diplomarbeit zu verbinden, werde ich über Dinge schreiben, die mir im Zuge des Verfassens meiner Diplomarbeit auffallen.

Morgen sollte der erste Eintrag folgen……

Verfasst von: Martin Zinkner | Juli 8, 2008

Austrias next top Bundeskanzler, Teil 1: das BZÖ

Es ist soweit. Der alte Bundeskanzler ist schon so gut wie Geschichte (in die Geschichte geht er sicher ein mit seinen Leistungen). Österreich sucht also „Austrias next top Bundeskanzler“. Obwohl sich in den nächsten Wochen die Kandidaten medial sicher zur genüge vorstellen werden, habe ich mir gedacht, ich werfe in den nächsten Tagen einmal einen Blick auf die Spitzenkandidaten der derzeitigen Parlamentsparteien und bewerte ihre Chancen, für alle die keine Ahnung haben, wenn sie wählen sollen, in umgekehrter Reihenfolge:

 

Das BZÖ: Aller Voraussicht nach wird das BZÖ wieder Ing. Westenthaler ins Rennen schicken. Ihm darf man wohl nur äußerst geringe Aussenseiterchancen einräumen. Rhetorisch ist er zwar top (das nicht bestätigte Zitat im Zusammenhang mit der Prügelaffäre: „hauts die Arschlöcher ausse“), doch mangelt es sich teilweise an Umgangsformen (siehe wieder das vorige Zitat). Seine wichtigsten Anliegen wären, dass in Wien wieder Züge auffahren, um Ausländer dorthin zu bringen, wo sie hingehören, nämlich raus aus Österreich (wer früher mal Hojač hieß, soll nicht mit Steinen werfen) und das es ja keine weitere Annäherung zur EU gibt (ich versteh heute noch nicht, dass das BZÖ dem gescheiterten Verfassungsvertrag zugestimmt haben, den Lissaboner Vertrag als Ende der Eigenständigkeit Österreichs bekämpfen???) Aber Ing. Westenthaler kann das sicher plausibel erklären…). Auch ist er immer Top informiert, und würde nie einem gefälschten Brief eines Scherzboldes auf den Leim gehen (Stichwort: Halbmond statt Gipfelkreuz Affäre des letzten Wahlkampfes, unbedingt sehenswert;).

Einzige Unsicherheitskonstante: Es läuft ein Strafverfahren gegen ihn wegen falscher Zeugenaussage (natürlich gilt hier die Unschuldsvermutung). Aber wie man mit solchen Verfahren umzugehen hat zeigt ja  in Italien gerade Berlusconi vor: Wahl gewinnen und dann die Justizgesetze so ändern, dass man aus dem Schneider ist. Das müsste doch genügend Motivation für den Wahlkampf sein, oder?

Das BZÖ ist generell die Antwort auf jede Frage, die noch nicht gestellt wurde, und vermutlich auch nie gestellt wird. Also was spricht gegen diese Partei? Vermutlich zuviel, um es in diesem Blogeintrag zu erläutern.

 

Meine Bewertung: Natürlich wird das BZÖ nie in die Reichweite des Bundeskanzlers kommen. Jedoch fürchte ich, dass es das BZÖ durch ein Grundmandat in Kärnten wieder ins Parlament schaffen wird. Jörg Haider wird mit der Ortstafelfrage und anderen populistischen Themen schon dafür sorgen, dass es diesmal klappen wird. So ist leider Österreich.

Verfasst von: Martin Zinkner | Juli 7, 2008

Koalition am Ende

Ganz überraschend ist es ja nicht: Die Regierung ist am Ende. Im September finden voraussichtlich Neuwahlen statt.

Ein mediales Sommerloch wird es so heuer bestimmt nicht geben. Und Österreich steht ein Sommer mit Wahlkampfsendungen, ermüdente Diskussionsrunden, vollplakatierten Landschaften, 1000 neuen Versprechungen, Wahlkampfveranstaltungen, Werbeflut und Wahlkampfgeschenken bevor. Wer freut sich nicht schon jetzt drauf?

 

Gleichzeitig mit der Ankündigung der ÖVP gab auch die SPÖ bekannt, dass mit der (immerhin seit 3 Wochen bestehenden) Doppelspitze Schluss ist und Verkehrsminister Faymann der neue Spitzenkandidat wird. Überrascht hats mich nicht…Gusenbauer wird damit als am kürzesten dienender gewählter Bundeskanzler der 2ten Republik eingehen. Immerhin hat er sich seinen „Sandkastentraum“ erfüllt.

 

Detail am Rande: Josef Broukal legt seine politischen Funktionen nieder, weil er auch jetzt, wo es quasie freie Kräfte im Parlament geben würde, seinen Antrag auf Abschaffung auf Studiengebühren nicht durchbringt. Schade um ihn ist es allemal, da er einer von wenigen Parlamentarieren der Großparteien ist, der sich nicht innerhalb der Partei hochgedient hat, von seiner Materien wirklich was versteht und nicht alle seine Überzeugungen zum Wohle der Partei verkauft.

Verfasst von: Martin Zinkner | Juni 15, 2008

Was wurde aus…..

…dem Kosovo? Am 17.Februar erklärte sich der Kosovo für unabhängig von Serbien. Seitdem ist es ziemlich ruhig geworden um die Region am Balkan. Bei vielen ungelösten Konflikten zeigt es sich immer wieder: Aus den Medien, aus dem Kopf. So auch beim Kosovo. Dabei ist die Staatsgründung noch lange nicht abgeschlossen.

Heute verabschiedet das Paralament in Pristina die neue Verfassung für den Kosovo. Aber auch dadurch wird sich nicht viel ändern. Insgesamt wurde der Kosovo erst von 42 Staaten weltweit anerkannt. 20 davon aus der EU (darunter Österreich). Da es noch keine neue Resolution der UNO gibt, gilt nachwievor die Resolution 1244, die den Kosovo als Bestandteil Serbiens sieht. Die EU Mission Eulex, die die UNO Mission UNMIK ablösen sollte, und die Unabhängikeit des Kosovo überwachen sollte, kann deshalb noch nicht voll starten. Ohne Anerkennung durch den Sicherheitsrat, kann der Kosovo weder der UNO noch anderen internationalen Organisationen beitreten.

Es ist ruhig geworden um den Kosovo. Aber die Probleme der Region nicht weniger, sondern eher mehr. Und es scheint so, als hätten jene Staaten, die einen unabhängigen Kosovo unterstützt haben das Interesse verloren. Für die EU gilt es auch das eigene Gesicht zu wahren. Immerhin kann man sie als Geburtshelfer der Unabhängigkeit sehen. Aber wie bei vielen anderen Themen, konnten auch hier die Mitgliedsländer auf keine einheitliche Linie gebracht werden.

Ich bin jedenfalls gespannt wie es im Kosovo weitergeht und werde wieder öfters darüber berichten. Außerdem hoffe ich, dass es auch weiterhin ruhig bleibt im Kosovo und nicht wieder ein neuer Konflikt ausbricht.

Und zum Schluss würde ich mir noch wünschen, dass die Medien wieder mehr über den Kosovo berichten, damit nicht das gleiche geschieht wie mit Bosnien. Oder weiß jemand über die Situation dort bescheid? Nicht alle Konflikte, die aus den Medien verschwinden sind gelöst…

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