Verfasst von: Martin Zinkner | März 28, 2009

Politische Bildung in Österreich

„Zum Autofahren braucht man einen Führerschein, aber zur Wahl darf jeder gehen.“

Durch Gespräche mit StudienkollegInnen in den letzten Tagen und Wochen ist mir wieder der Ausspruch meines Geschichtelehrers aus der HTL eingefallen. Dieser war der Ansicht, dass man zum Wählen auch einen Führerschein einführen sollte, wo die Strukturen des politischen Systems Österreichs und die Ziele/Parteiprogramme der zur Wahl stehenden Parteien abgefragt werden. Das ist sicherlich auch nicht der beste Weg um die politische Kultur und das Wissen um den Wert der Demokratie zu steigern, weil diese Idee gleichviel Gefahren birgt, wie wenn alle wählen gehen dürfen.

Aber was tun? Seit Jahren wird gefordert die politische Bildung in den Schulen zu verstärken. Das wäre sicher ein guter Anfang. Eine Studienkollegin von mir hat mir erzählt, dass sie derzeit Vorträge an Hauptschulen (4.Klasse) und Polytechnischen Lehrgängen in Wien über die österreichische Sozialversicherung hält und es für erschreckend hält, welche Fragen hier oft gestellt werden. So wissen beispielsweise viele nicht mal, wenn sie vom „Bund“ spricht, was damit gemeint ist…was läuft hier falsch? Die Lehrpläne gehören meiner Meinung nach schon lange entrümpelt. Man zwingt die Kinder Ereignisse aus dem 12. oder 13. Jahrhundert auswendig zu lernen, aber vermittelt ihnen nicht die Kompetenz sich mit dem politischen System Österreichs und der EU auseinanderzusetzen. So kommt es dann, dass viele in Leserbriefen usw. über etwas schimpfen, dass sie eh nicht begreifen, weil es so Medien und manchen politischen Parteien leicht gemacht wird seichten Populismus zu betreiben. Der gute Politiker ist dann jener, der alles schlecht redet und sich hinstellt um an die Leute Geld auszuteilen. Menschen die nicht einmal die Grundbegriffe des politischen Systems oder der Wirtschaft verstehen hinterfragen nicht einmal, wo das Geld herkommt. Denn wenn das so leicht wäre, warum machen das nicht andere Politiker in anderen Bundesländern auch?

Kant sagte: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

Genau hier sollte auch das Bildungssystem in Österreich ansetzen. Die Kinder sollten nicht gezwungen werden, unter der Anleitung des Lehrers Fakten auswendig für einen Test zu lernen, die sie höchstwahrscheinlich nie wieder brauchen werden. Ihnen sollte beigebracht werden, sich selbstständig Fakten und Möglichkeiten zu erarbeiten um Probleme und Sachverhalte lösen zu können. Dann wäre es vielleicht möglich, dass verkürzte Berichte in Zeitungen unreflektiert hingenommen werden, sondern die Menschen darüber nachdenken würden. Die einzige Frage, die hier zu klären wäre ist: Hat die Politik überhaupt ein Interesse daran?

Filmtipp, weil es irgendwie zum Thema passt: Free Rainer – dein Fernseher lügt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: