Verfasst von: Martin Zinkner | April 6, 2009

Die österreichischen Volksgruppen

Ein Jahr lang habe ich mich für meine Diplomarbeit mit dem Kärntner Ortstafelkonflikt auseinandergesetzt. Um diesen Konflikt überhaupt zu verstehen, muss man auch viel über die Entstehungsgeschichte der österreichischen Republik wissen. Wie wir ja alle wissen, ist die heutige Republik 1919 aus den deutschsprachigen Ländern der k.u.k Monarchie entstanden. Mit der Übernahme der Verwaltung über Deutsch-Westungarn der ungarischen Reichshälfte 1921 entstand Österreich mit den bis heute gültigen Grenzen.

Nach dem ersten Weltkrieg versuchte man die Staaten Europas nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, das vom amerikanischen Präsidenten Wudrow Wilson proklamiert wurde, zu gestalten. Dass dieses Selbstbestimmungsrecht nicht immer verwirklicht wurde, und das auch damals Machtpolitische Interessen berücksichtigt wurden, weiß man heute auch. Hervorzuheben ist auch, dass es in Europa ungefähr 80 Völker, aber nicht einmal 50 Staaten gibt. Ein bekanntes Beispiel für ein „Volk ohne Staat“ sind z.B. die Basken in Spanien und Frankreich. Staatliche Grenzen nach ethnischen Gesichtspunkten zu ziehen ist praktisch unmöglich. An den Grenzgebieten kommt es unweigerlich zu Vermischungen. So konnte auch Österreich nicht alleine aus den rein deutschsprachigen Gebieten gebildet werden. So gibt es auch in Österreich bis heute Volksgruppen, deren Rechte mit dem Friedensvertrag von St. Germain und dem Staatsvertrag von Wien grundlegend gesichert wurden. Seit dem Volksgruppengesetz von 1976 sind 5, und seit 1993 sind 6 Volksgruppen in Österreich offiziell anerkannt. Das Wissen um diese Volksgruppen, sowie deren Rechte, ist in der österreichischen Gesellschaft sehr gering. Viele begegnen diesen mit Ressentiments und Vorurteilen. Vielfach ist die Ansicht vertreten, dass in Österreich ja Deutsch geredet wird, also auch die Volksgruppen sich anpassen sollen und Deutsch reden sollen. Aber im Artikel 8 der österreichischen Bundesverfassung heißt es ja:

Artikel 8. (1) Die deutsche Sprache ist, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten bundesgesetzlich eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.

Da mir durch das Schreiben meiner Diplomarbeit die Volksgruppenthematik sehr wichtig geworden ist, werde ich die Beiträge meines Blogs in der nächsten Zeit rund um dieses Thema aufbauen. Den auch wenn ich viel Zeit und Arbeit in meine Diplomarbeit investiert habe, so wird es mir sicher möglich sein, die Volksgruppenproblematik mit dem Blog viel mehr Menschen zugänglich zu machen.

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