Verfasst von: Martin Zinkner | November 6, 2008

Was sind eigentlich Windische?

Im Zuge meiner Diplomarbeit befasse ich mich mit dem Kärntner Ortstafelkonflikt. Sehr schwierig ist es, wenn man Begriffe definieren soll. Was macht jemanden zu einem „Deutschkärntner“ oder zu einem „Kärntner Slowenen“? InKärnten gibt es jedoch noch eine dritte Kategorie:  „Windische“. Dieser Begriff wird nämlich von den verschiedenen Seiten mit unterschiedlicher Bedeutung belegt.

 

Laut Veiter, einem Historiker, wurden die „Alpenslawen“ schon im 10. Jahrhundert von den Deutschen als „Windische“ bezeichnet. Woher dieser Begriff stammt ist jedoch bis heute umstritten. Jedoch wird seit langer Zeit das slowenische Volk sowie ihre Sprache als „Windisch“ bezeichnet.

 

Der Ausdruck findet sich in Kärnten auch in vielen Orts- oder Bergnamen wieder wie: Windisch Bleiberg (Slovenji Plajberk) oder die Windische Höhe (Vršje). Der Begriff wurde jedoch von den Slowenen selbst nicht gebraucht, sondern sie bezeichneten sich selbst als: Slovenci, also Slowenen.

 

Bis zum Kärntner Abwehrkampf und die darauf folgende Volksabstimmung in Südkärnten war es auch ein völlig wertneutraler Begriff. Erst nach der Abstimmung kam es zu einer Polarisierung mit dem Begriff Windische in der Gruppe der Kärntner Slowenen. Besonders der Kärntner Historiker Martin Wutte polarisierte mit einem nicht wissenschaftlichen Aufsatz 1927 die Kärntner Bevölkerung, vor allem die Kärntner Slowenen. In diesem Aufsatz versucht er zu beweisen, dass sich Germanen schon vor den Slawen auf heutigem Kärntner Gebiet niedergelassen haben und sich die Slawen schon sehr früh mit den Germanen vermischt haben. Als Beweise dafür führt er unter anderem Ergebnisse der „Rassenforschung“ an. Auch die Einheit der slowenischen Sprache stellt er in Abrede und führt Beweise dafür an, dass das Kärntner Slowenische mit der slowenischen Schriftsprache nicht viel gemeinsam hat. Er kommt schließlich zu dem Schluss, dass es sich bei den so genannten „heimattreuen Slowenen“ nicht um Slowenen im eigentlichen Sinne, sondern um ein „Mischvolk“ handelt, dass dem deutschen viel näher steht als dem slowenischen und deshalb auch nicht Slowenen nennt, sondern die „Ehrenbezeichnung“ Windische gibt: 

 

„…im Gegensatz zu den nationalen Slowenen stehende Mittelschicht, die nach Abstammung und Sprache einen Mischtypus darstellt, aber durch ihre Schicksals-, Lebens-, und Kulturgemeinschaft mit den Deutschen sowie durch ihre gefühlsmäßige Einstellung und ihr folgerichtiges, seit den Anfängen der nationalen Frage in Kärnten ununterbrochen beobachtetes ablehnendes Verhalten gegenüber den slowenischsnationalen Bestrebungen völkisch viel eher zu den Deutschen als zu den Slowenen gehört.“

 

Er sieht also die „Windischen“ als eine Art „Übergangsvolk“ an, die noch nicht ganz „Deutsche“ sind, jedoch auf keinen Fall mehr zu den Slowenen gehören. In der Literatur ist in diesem Zusammenhang öfters vom „schwebenden Volkstum“ die Rede, was jedoch von heutiger wissenschaftlicher Sicht angezweifelt oder überhaupt abgelehnt wird. Heute hat der Begriff Windische im Alltag auch keine sehr große Bedeutung mehr, obwohl er immer noch bei den Volksbefragungen als eigene Kategorie abgefragt wird.  

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: